Flachlore Spurweite IIf

Eigentlich hätte ich lieber das Untergestell einer Kipplore (wie aus dem Projekt im BBF) gehabt, aber meine Lötkünste reichen dafür vermutlich noch nicht aus. So habe ich mir dann eine „eckige“ Flachlore ausgesucht, wie es sie dutzendfach im Feldbahnbetrieb gegeben hat. Dazu habe ich U-Profil (6 x 3 mm) aus Messing genommen, 2 gleich lange Stücke à 90mm für die Seitenteile und 2 gleich lange Stücke à 36mm für die Stirnseiten abgesägt sowie ein weiteres Stück mit einer Länge von 36mm als Mittelstrebe. Mit diversen Hilfsmitteln ist es mir tatsächlich gelungen, alles rechtwinkeling zusammenzulöten. Danach habe ich die Lötstellen noch ein wenig gesäubert, da die Arbeiten sicherlich noch sauberer hätten ausgeführt werden können, aber meine Lötfähigkeiten haben eher den Status „fortgeschrittener Anfänger“.

Die neuen Flachloren, die ich 2 meiner Modellbaukollegen aus dem BBF verdanke, haben identische Abmessungen wie die weit verbreiteten DIN-Kipploren, an denen ich mich auch beim Selbstbau-Versuch meiner ersten Flachlore orientiert habe. Da ich, was den Fahrzeugbau angeht, noch weitgehend werkzeuglos bin und bislang alles zwar nicht am Küchentisch, aber dafür am Schreibtisch entsteht, bin ich über die Unterstützung sehr dankbar, weil der manuelle Bau (ohne entsprechendes Werkzeug) nicht so akkurat gelingt und damit nicht vorbildgetreu wird. Die Einzelteile der Lorenrahmen sind mit einer Montageschablone zusammengefügt, gesandstrahlt und anschließend mit einer Messing-Patina behandelt worden. Die gefallen mir so schon so gut, dass ich sie kaum noch altern mag – allenfalls mit ein wenig Rost in den Ecken …

Für eine erste Stellprobe der Flachlore habe ich zunächst die Kugellager vorsichtig mittels einer Eichenholzleiste in die Öffnungen der Achslager hineingedrückt. Die Kugellager haben einen Außendurchmesser von 3mm, einen Innendurchmesser von 1mm, bei einer Breite von 1mm. Die Achslageröffnungen haben nicht in jedem Fall einen exakten Durchmesser von 3mm. Es empfiehlt sich daher, die Öffnungen vorher mittels Bohrer oder Rundfeile entsprechend zu bearbeiten, so dass die Lager sich relativ gewaltfrei eindrücken lassen. Mangels Drehbank habe ich mir eine dreiteilige Achse ausgedacht. Diese besteht aus einem 1mm Silberstahldraht, dessen Enden in den Kugellagern ruhen. Dieser Silberstahldraht wird in ein 2mm Messingrohr mit einem Innendurchmesser von 1,1mm geschoben. Auf die Enden des 2mm Messingrohrs werden die Lorenräder von Georg Gawron (Fa. FERMATEC e. K.) aufgedrückt, die eine Achsbohrung von 2mm aufweisen. Zwischen die Lorenräder kommt ein Distanzstück aus einem Messingrohr mit 4mm Außendurchmesser und einem Innendurchmesser von 2mm. Leider bin ich zunächst bei dem Versuch gescheitert, das 2mm Messingrohr in das Distanzstück mit einem Innendurchmesser von 2mm zu schieben … ich habe daher die Distanzstücke mittels Reibahle und passendem Bohrer auf 2,1mm aufgeweitet.

Für die Beplankung habe ich mir wieder Lindenholz ausgesucht (Stärke 2mm) und mit einer neuen Drahtbürste manuell bearbeitet. Die Drähte der Drahtbürste sind so fest und stark, dass ich mir – aufgrund ungünstiger Handhabung – einige Drahtborsten mühelos durch den Fingernagel (!) in das Nagelbrett gedrückt habe … Die Löcher für die Befestigung der Längsträger auf dem Lorenrahmen wurden mit einem 0,8mm Bohrer gebohrt. Für die Löcher der Plankenbretter, die quer auf den Längsträgern befestigt werden, habe ich einen 0,5mm Bohrer benutzt. Die Befestigungsstifte, die Nägel/Schrauben imitieren, sollen nicht nur aufgemalt oder angedeutet, sondern tatsächlich einzeln durch jedes Brett durchgedrückt werden. Das Holz wird wieder nach der bereits bewährten Methode gebeizt. Ich habe die Längsträger und die Plankenbretter bewusst vorher nicht verklebt, damit kein Tropfen Kleber den Beizvorgang beeinträchtigt. Außerdem verspreche ich mir ein besseres Ergebnis in der Gestaltung, wenn ich jedes Holzbrettchen einzeln farblich behandle.

Nach der farblichen Behandlung mit verschiedenen Farbtönen von Instantbeize und starkt verdünnten Wasserfarben müssen als erstes die vorgebohrten 0,5mm Löcher wieder vorsichtig mit einer Reibahle aufgebrieben werden, da die durch den relativ hohen Wasseranteil bei der farblichen Gestaltung etwas zugequollen sind. Allerdings ist Vorsicht geboten: Die Löcher dürfen nicht zu weit aufgerieben werden, da sonst das Polystyrol-Rundmatrial, welches die Nägel darstellt, einfach durchrutscht. Sind die Löcher noch zu eng, bekommt man das Polystyrol nicht hinein, da es bei einem Durchmesser von 0,5mm einfach zu instabil ist und ein wenig „Nachhilfe“ mit einer Spitz- und Flachzange nutzt auch nicht wirklich etwas, da diese das Material zu schnell verformen. Die Löcher müssen also einen solche Durchmesser haben, dass man das Polystyrol-Rundmeterial „saug-schmatzend“ mit der Hand hineindrücken kann. Bewährt hat sich eine Länge der Abschnitte von ca. 8mm.

Damit werden zunächst alle Plankenbretter bestückt und zwar so, dass der spätere Überschuss zunächst auf der Oberseite der Brettchen übersteht (Bild 07-0020, links). Dann wird mit einem feinen Pinsel ein regelrechter kleiner „Tupfen“ handelsüblicher Modellbaufarbe (rostfarben) oben aufgetupft und ein wenig (oben) drum herum gemalt. Danach muss alles gut trocknen, denn im nächsten Schritt werden die noch oben herausstehenden Polystyrolstifte vorsichtig – zunächst mit einem Hölzchen durchgedrückt, dann das Brettchen umgedreht und die Polystyrolstifte durch vorsichtigen Druck an der rechten und linken Außenseite vollständig im Brettchen versenkt. Mit einem Skalpell oder einem Modellbau-Cutter wird der nun an der Unterseite befindliche Überschuss einfach abgeschnitten. Sollte das eine oder andere Loch doch zu weit aufgerieben worden sein, kann man die Stifte auf der Unterseite durch ein winziges Bisschen Kleber am Durchrutschen hindern. So kann man überzeugend – wenn auch zugegebenermaßen recht aufwändig – rostige Nagelköpfe darstellen. Marc Reusser hat diese Technik auch in einem seiner Bauberichte beschrieben. Nachdem die farbliche Gestaltung des Holzes so gut wie abgeschlossen ist, habe ich die Beplankung mit Holzleim auf die beiden Holzlängsträger geklebt.

Nach dem Erhalt der neuen, in einem Stück aus Messing gedrehten Achsen habe ich die Achsstummel noch etwas nachgearbeitet, damit diese – aufgrund des geringen Spielraumes – mühelos in die 1mm-Löcher der Kugellager passen. Danach habe ich die Achsen – vorsorglich – brüniert und die Resin-Innenstücke der Feldbahnräder mit Sekundenkleber jeweils am umlaufenden Metallring fixiert und anschließend die Räder – ebenfalls mit Sekundenkleber – auf die Achsen geklebt. Als Nächstes haben die Achsen einen Anstrich mit Grundierung erhalten, gefolgt von mehreren Lagen verschiedener Brauntöne, die ich jedoch – einer Empfehlung von Marc Reusser folgend – nicht mit dem Pinsel sondern mit einem feinen Schwamm aufgetragen habe. Nachdem alles gut durchgetrocknet war, erhielten die Achsen noch einen sog. Blackwash (viel Verdünner mit wenig mattschwarzer Farbe), dem ich teilweise wieder etwas rostbraun hinzugefügt habe. Abschließend habe ich dann, solange das Blackwash noch nicht vollständig getrocknet war, ein wenig Künstlerpigmente mit einem harten Borstenpinsel aufgetragen. Nur passen die Feldbahnräder jetzt nicht mehr so ganz zur Flachlore, deren Messingrahmen nur brüniert ist und einen leichten Überzug mit Rustall erhalten hat.

Manchmal läuft doch nicht alles so, wie gedacht … nachdem ich mich – halbwegs erfolgreich – am sog. „Chipping“ versucht habe, wollte ich die gerade erst erprobte Technik auch an meiner Flachlore ausprobieren. Unglücklicherweise war die Beplankung schon mit Sekundenkleber auf dem Lorengestell festgeklebt. So habe ich ganz vorsichtig mit einem feinen Schwämmchen die unterschiedlichen Brauntöne aufgetragen und an Stellen, die schlecht mit dem Schwämmchen zu erreichen oder zu dicht an der Holzbeplankung waren, die Farbe mit einem feinen Pinsel aufgetupft. Danach habe ich – mehrfach – Haarspray ebenfalls mit einem Pinsel aufgetragen, da ein Übersprühen ohne umfangreiches Abkleben des Holzes nicht möglich war. Anschließend folge den der Auftrag der gelben Farbe, die ich nach dem Trocken an einigen Stellen angefeuchtet habe und mit einem harten Borstenpinsel und/oder einem Zahnstocher, auch „Chipping“ genannt, wieder entfernen wollte. Dummerweise war die nur mit dem Pinsel aufgetragene Haarsprayschicht dafür nicht effektiv genug aufgetragen: Die Farbe ließ sich kaum wieder ablösen. Jetzt musste ich mir etwas Neues einfallen lassen, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen – z. B. die gesamte Prozedur wiederholen und dabei das Holz abkleben oder vorübergehend ablösen, wenn das ohne Beschädigung möglich sein sollte.

Nach einem Vorschlag *klick* von Marc Reusser hatte ich nur 2 Möglichkeiten, die Flachlore noch „zu retten“, d. h. den Bau zumindest halbwegs erfolgreich abzuschließen:

Einerseits bestand die Möglichkeit, mit einer kleinen Nadel an einigen Stellen winzige Löcher in den Lack zu kratzen, warmes Wasser aufzutragen und mit spitzen Holzstückchen oder sehr harten Borstenpinseln noch zum gewünschten Ergebnis zu gelangen; andererseits das, was ich durch Abkratzen/Abtragen der Farbe erreichen wollte, statt dessen durch das (erneute) Auftragen von Farbe darzustellen. Da ich mit der ersten Methode nicht erfolgreich war, habe ich es mit der zweiten Methode versucht. So habe ich mit winzigen feinen Schwämmchen unregelmäßig diverse, meist rostfarbige Farbtupfer in unterschiedlichen Abstufungen an den Stellen angebracht, wo diese sich auch an den Vorbildern befinden. Den Abschluss bildete an einigen Stellen ein Washing aus Isopropylalkohol und Acrylfarbe (schwarz und brauntöne).

Ich bin insgesamt mit dem Ergebnis zufrieden. Allerdings sehe ich selbst, dass da noch Verbesserungspotenzial ist. Das liegt allerdings primär daran, dass ich während des Zusammenbaus meine Technik geändert habe. Zunächst sollte der Rahmen so bleiben, wie er war: brüniert und mit einem leichten Wash von Rustall behandelt, weil so insbesondere die filigranen Feinheiten des Messinggusses nicht mit Farbe zugekleistert werden. Allerdings habe ich gelernt, dass man mit etwas Geschick so wenig Farbe auftragen kann (z. B. mit den Schwämmchen oder stark verdünnt), dass die Feinheiten des Modelles erhalten bleiben. Auch waren jetzt so im bereits halb zusammengebauten Zustand nicht mehr alle Stellen so gut bzw. mit den Schwämmchen sehr schlecht erreichbar … aber das wird alles beim nächsten Modell umgesetzt …